Bewegung ist für Kinder weit mehr als bloßes Austoben. Sie ist Motor, Ausdruck und Grundlage für Entwicklung und Lernen. Besonders in der Grundschule zeigt sich: Kinder lernen mit dem Körper – durch Tun, Erleben, Erproben. Pädagogische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte machen deutlich, dass Lernen und Bewegung untrennbar miteinander verbunden sind.
Während der Unterricht früher oft durch langes Sitzen und starre Strukturen geprägt war, steht heute ein ganzheitliches Verständnis von Lernen im Mittelpunkt: Kinder sollen aktiv, selbstwirksam und mit allen Sinnen lernen. Bewegung wird dabei nicht als Unterbrechung, sondern als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden.
Lernen mit Kopf, Herz und Hand – was Kinder wirklich brauchen
Kinder im Grundschulalter befinden sich laut Jean Piaget überwiegend in der sogenannten konkret-operationalen Phase (etwa zwischen dem 7. und 11. Lebensjahr). In dieser Entwicklungsstufe beginnen sie, logisch zu denken, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu verstehen und Regeln anzuwenden – allerdings noch immer eng gebunden an konkrete, anschauliche Erfahrungen.
Das bedeutet: Kinder begreifen Zusammenhänge am besten, wenn sie handeln, ausprobieren, beobachten und wahrnehmen dürfen. Abstrakte Begriffe, reine Theorie oder lange verbale Erklärungen greifen oft zu kurz. Bewegung, Materialerfahrung und Sinneseindrücke bilden daher die Brücke zwischen Denken und Verstehen.
Lernen in der Grundschule braucht Räume und Materialien, die diese körperlich-sinnliche Dimension des Lernens ermöglichen. Flexible, bewegungsfreundliche Möbel sind dafür ein entscheidendes Werkzeug – sie schaffen Freiraum für natürliche Aktivität und damit für nachhaltiges Lernen.
Die Idee der Bewegten Schule – ein pädagogischer Wandel
Die Wurzeln der Bewegten Schule reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Entwickelt wurde das Konzept aus der Erkenntnis, dass Kinder durch mehr Bewegung im Schulalltag nicht nur körperlich gesünder, sondern auch kognitiv leistungsfähiger und emotional ausgeglichener sind. In Deutschland begann die systematische Umsetzung in den frühen 1990er Jahren, inspiriert durch Sportpädagogen wie Urs Illi und Initiativen aus dem schulischen Gesundheitswesen.
Heute gilt die Bewegte Schule als international anerkanntes Konzept. Sie will nicht nur „mehr Bewegung“ schaffen, sondern eine bewegungsfreundliche Schulkultur etablieren. Dazu gehören vier zentrale Säulen:
- Bewegter Unterricht – Lernen mit Bewegungselementen und aktivierenden Methoden
- Bewegte Pause – Räume und Materialien, die spontanes Spiel ermöglichen
- Bewegungsfreundliche Umgebung – flexible Möbel, Zonierung und Raumgestaltung
- Bewegung in der Schulorganisation – Rituale, Kooperation, Beteiligung der Kinder
Ziel ist es, Bewegung als selbstverständlichen Teil von Unterricht und Schulleben zu begreifen. Nicht die Stunde Sport pro Woche steht im Mittelpunkt, sondern die Haltung: Bewegung gehört zum Lernen dazu.
Embodied Learning – wenn der Körper denkt
Die moderne Lernforschung hat Piagets Erkenntnisse weitergeführt. Unter dem Begriff Embodied Learning – zu Deutsch: verkörpertes Lernen – wird heute beschrieben, dass Denken, Wahrnehmung und Bewegung eng miteinander verflochten sind. Der Körper ist nicht nur Träger des Geistes, sondern aktiver Teil des Lernens.
Wenn Kinder ihren Körper einsetzen – etwa beim Bauen, Balancieren, Gestikulieren oder Umgestalten des Raums – dann verankern sie Wissen tiefer im Gedächtnis. Bewegung wird zu einer Form des Denkens. Studien aus der Kognitions- und Neurowissenschaft zeigen, dass körperliche Aktivität die Bildung neuer neuronaler Verknüpfungen unterstützt und Lernprozesse stabilisiert.
Im Grundschulalltag bedeutet das: Lernräume müssen Bewegung nicht nur zulassen, sondern gezielt anregen. Ein Unterricht, der Phasen des Sitzens, Stehens, Gehens und gemeinsamen Gestaltens kombiniert, entspricht dem natürlichen Lernrhythmus der Kinder.
Montessori, Reggio, SOL – Lernen durch Tun und Selbstorganisation
Bewegung ist auch in vielen reformpädagogischen Ansätzen fest verankert.
Maria Montessori sprach vom „Lernen durch Handeln“. Kinder sollen ihre Umwelt erforschen, ausprobieren und eigenständig begreifen dürfen. Materialien und Möbel dienen hier nicht der Disziplinierung, sondern der Selbsttätigkeit.
Die Reggio-Pädagogik beschreibt den Raum als „dritten Pädagogen“ – eine Lernumgebung, die zum Handeln, Entdecken und Kommunizieren einlädt. Bewegliche, vielseitige Möbel unterstützen genau das.
Auch das Konzept des Selbstorganisierten Lernens (SOL) knüpft daran an: Kinder übernehmen Verantwortung für ihr Lernen, gestalten ihre Umgebung, wechseln Arbeitsformen und Positionen. Bewegung und Raumgestaltung werden zum sichtbaren Ausdruck dieser Selbststeuerung.
Alle diese Konzepte eint die Überzeugung: Lernen gelingt am besten dort, wo Kinder aktiv werden dürfen – körperlich, geistig und sozial.
Der Raum als Mitspieler – bewegungsfreundliche Lernumgebungen
In vielen Grundschulen verändern sich derzeit die Lernräume grundlegend. Statt starrer Tischreihen entstehen Zonen für Bewegung, Gruppenarbeit, Rückzug und kreatives Arbeiten. Der Raum wird zum Mitspieler – flexibel, veränderbar und offen.
Bewegungsanregende Möbel sind dabei mehr als ein ästhetisches Detail. Sie bilden die strukturelle Voraussetzung, damit Bewegung selbstverständlich stattfinden kann. Möbel, die leicht, stapelbar, multifunktional sind – wie Xbrick – ermöglichen Kindern, ihre Lernumgebung selbst zu gestalten.
Ein Hocker wird zum Tisch, Podest, einer Balancierstrecke oder einem Präsentationsstand. Durch die Vielseitigkeit des Xbrick entstehen spontane Bewegungsanlässe: Kinder tragen, schieben, bauen, kombinieren. Sie sind aktiv, kreativ und gestalten ihren Lernraum gemeinsam.
Gleichzeitig unterstützt diese Flexibilität Lehrkräfte in ihrer didaktischen Arbeit. Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit, Lernstationen oder Bewegungsphasen lassen sich schnell und intuitiv umsetzen, ohne dass Möbel zum Hindernis werden.
Bewegung fördert Lernen – aber auch Haltung, Gesundheit und Gemeinschaft
Die Vorteile einer bewegungsfreundlichen Lernumgebung gehen über die reine Wissensvermittlung hinaus.
- physisch: Dynamisches Sitzen und häufige Haltungswechsel stärken Muskulatur und Haltung, verbessern die Durchblutung und beugen Ermüdung vor.
- kognitiv: Bewegung aktiviert Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung, fördert Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Konzentration.
- emotional-sozial: Gemeinsame Bewegung schafft Kontakt, reduziert Stress und stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der Klasse.
Bewegungsanregende Möbel wie Xbrick verbinden diese Ebenen. Sie schaffen Strukturen, in denen Kinder sich frei bewegen können, ohne Unruhe zu erzeugen. Bewegung wird nicht „zugelassen“, sondern pädagogisch integriert.
Xbrick als Lernwerkzeug
In Grundschulen, die den Gedanken der Bewegten Schule leben, findet Xbrick seinen Platz. Er unterstützt Lernprozesse, weil er Bewegung ermöglicht, Selbstorganisation fördert und Kreativität anregt. Kinder können den Raum im Handumdrehen verändern – von der Sitzinsel zur Präsentationsfläche, von der Gruppenecke zur Einzelarbeitszone. Dabei lernen sie, Verantwortung zu übernehmen: Wer den Raum verändert, gestaltet sein Lernen aktiv mit. So wird aus einem Möbelstück ein Lernwerkzeug – leicht, robust, vielseitig und vor allem: pädagogisch sinnvoll.
Fazit
Bewegung ist kein Zusatz im Unterricht, sondern die Grundlage, auf der Lernen entsteht. Besonders in der Grundschule, wo Kinder durch Tun und Erfahrung lernen, spielt sie eine zentrale Rolle.
Konzepte wie die Bewegte Schule, Embodied Learning oder Montessori zeigen: Bewegung fördert nicht nur Gesundheit, sondern auch Denken, Motivation und Gemeinschaft.
Bewegungsanregende Möbel wie Xbrick machen diese Haltung im Alltag sichtbar. Sie schaffen Räume, die sich verändern dürfen – Räume, die Kindern entsprechen, die aktiv sind, neugierig und voller Entdeckergeist.
Wo Bewegung zum selbstverständlichen Teil des Lernens wird, entsteht Schule, die Kinder stärkt – im Körper, im Denken und im Miteinander.
Erfahre mehr wie Xbrick in der Praxis genutzt wird:
Hands-on Architektur-Vermittlung für Schüler*innen an der FH Kärnten